Therapeutisches Reiten

Im Mittelpunkt des therapeutischen Reitens steht die Entwicklungsförderung. Reiterliche Fähigkeiten sind eher nebensächlich.

Wir sind eine vom Deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten anerkannte Einrichtung für die heilpädagogische Förderung mit dem Pferd.


Welche Möglichkeiten bietet das therapeutische Reiten?

Für Menschen mit motorischen Problemen und/oder Entwicklungsverzögerungen

Der Reiter muss auf dem Pferd sitzend seine Balance finden, um sich dem Bewegungsfluss des schrittgehenden Pferdes anpassen zu können. Der Bewegungsablauf des Pferdes überträgt sich (hauptsächlich) über das Becken des Reiters auf diesen. Die Notwendigkeit sich während dieses Bewegungsablaufes auf dem Pferderücken auszubalancieren, schult die Wahrnehmung des eigenen Körpers, des eigenen Körperschemas. 

Menschen mit Förderbedarf im Bereich der Kommunikation:

Sowohl das Reiten, als auch Übungen, bei denen das große und offensichtlich starke Pferd geführt werden muss, bewirken eine Förderung der Kommunikationsfähigkeit sowie das positive Erleben der eigenen Person im Austausch mit anderen. Ein weiterer Schritt stellt das selbstständige Reiten dar, denn es gilt sich mittels Schenkel-, Gewichts- und Zügelhilfen mit dem Pferd zu verständigen. So entsteht ein nonverbaler Bewegungsdialog. 

 

 


Menschen mit Förderbedarf im sozial-emotionalen Bereich:

Im Bereich des Beziehungsaufbaus und der Bindungsfähigkeit bietet das Pferd große Chancen: Es reagiert auf gegenwärtige Situationen authentisch, d.h. es kann sich unter bestimmten Umständen erschrecken oder - bei unangenehmer Behandlung - irritiert reagieren. Es wird sich jedoch im Nachhinein nicht nachtragend verhalten oder gar für eine unangenehme Behandlung rächen. So gibt es zwar eine deutliche Rückmeldung an den Klienten - ohne jedoch sein grundlegend freundlich, interessiertes Verhalten abzulegen -, die diesen ermutigt, sein eigenes Verhalten zu überdenken. Dieses beschriebene instinktive Verhalten des Pferdes ist elementar in der heilpädagogischen Förderung, um Vertrauen und Sozialkompetenz sowohl im Miteinander mit dem Pferd als auch in der sozialen Interaktion mit der Gruppe zu fördern und zu entwickeln. 

Menschen in schwierigen seelischen und/oder psychischen Lebenssituationen

Ein wichtiger Aspekt in der heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd ist die psychologische bzw. seelische Wirkung des Tieres auf den Menschen: Es muss durch Putzen, Füttern und Führen versorgt werden. Der „Streicheltiercharakter“ ermutigt, sich mit dem Pferd Herausforderungen zu stellen und sich auf Neues einzulassen. Die Erfahrungen ein großes und starkes Tier erfolgreich zu lenken und dessen Ruhe und Vertrauen zu spüren, lassen die nächsten Herausforderungen gleich machbarer erscheinen und mit frischem Mut angehen. Diese Erfolge können in den folgenden Einheiten ausgebaut werden und auch auf andere Alltagssituationen übertragen werden. 



Für wen eignet sich therapeutisches Reiten?

  • Geistig behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene
  • Verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche
  • Kleinkinder im Rahmen der Frühförderung im Bereich der sensorischen Integration
  • Wahrnehmungsbehinderte wie z.B. Blinde, Gehörlose, Sprachbehinderte
  • Suchtkranke
  • Kinder und Jugendliche mit ADHS Syndrom
  • Menschen in psychischen Problemsituationen wie z.B. Gewalterfahrung, Mißbrauch, Magersucht
  • Entwicklungsverzögerte Kinder und Jugendliche
  • Lernbehinderte
  • Körperbehinderte Menschen wie Querschnittsgelähmte, Beinamputierte
  • Kinder und Jugendliche mit infantiler Cerebralparese
  • Schattenkinder

Was wird beim therapeutischen Reiten gefördert?

  • Schulung von Gleichgewicht, Koordination, Ausdauer und Geschicklichkeit
  • Kräftigung und Dehnung von Muskeln und Sehnen
  • Training von Herz, Kreislauf und Atmung
  • Förderung der Körperhaltung, Gesamtkoordination
  • Förderung der Körper- und Sinneswahrnehmung
  • Förderung der Raum-Lage-Orientierung
  • Steigerung des Selbstwertgefühls
  • Förderung der Selbstwirksamkeit
  • Förderung der Konzentration
  • Erlernen der adäquaten Selbsteinschätzung
  • Abbau von Ängsten
  • Aufbau einer höheren Frustrationstoleranz
  • Aufbau von Selbstvertrauen
  • Motivation therapiemüder Patienten
  • Sprachverständnis und Sprechbereitschaft
  • Erlernen von partnerschaftlichem Miteinander
  • Gezielter Einsatz der eigenen Körperkraft