Heilpädagogisches Voltigieren

Heilpädagogisches Voltigieren – Für wen ist das geeignet? Was „bringt“ das?

Voltigieren bietet viele Möglichkeiten der Förderung und ist grundsätzlich für Interessierte, die zumindest eigenständig sitzen können geeignet. Grundsätzlich kann Voltigieren sowohl als leistungsorientierter Sport, als auch im Rahmen der koordinativen und (heil-)pädagogischen Förderung betrieben werden.

 

Die Aufgabenstellung beim Voltigieren kann auf den einen gemeinsamen Nenner gebracht werden, dass  die Voltigierer auf dem Rücken eines, an einem langen Seil (Longe) im großen Kreis, laufenden Pferdes (entweder zu mehreren oder einzeln) verschiedene Aufgaben turnen sollen. Hierbei kann das Pferd im Schritt, Trab oder Galopp laufen. Als Turnaufgabe kann das voltigierende Kind beispielsweise auf dem Pferderücken knien oder stehen, seitwärts sitzen oder sogar (sitzend) eine komplette Drehung vollziehen (vorwärts, seitwärts, rückwärts, seitwärts und wieder vorwärts sitzen).

 

Klingt zuerst nicht allzu schwierig, ist jedoch auf einem "wackeligen" und relativ schmalen Pferderücken in Schritt, Trab oder Galopp gar nicht so einfach: Hierzu benötigt man ein gewisses Maß an Gleichgewicht, Körpergefühl, Mut, Teamfähigkeit und Ausdauer.

 

Hier können diese Effekte für das Voltigieren zur Förderung genutzt werden:

 

In unseren Voltigiergruppen machen Kinder mit und ohne besonderen Förderbedarf in verschiedenem Alter mit. Bei diesem integrativen Konzept können viele individuelle Ziele miteinander verbunden werden. So lernen alle Teilnehmer (im sozial-emotionalen Bereich)  auf die Bedürfnisse ihrer Teammitglieder Rücksicht zu nehmen und sich untereinander zu unterstützen. Stärken und auch Schwächen können wahrgenommen und entsprechend gewürdigt und berücksichtigt werden. Zugleich wirkt die Aufgabenstellung häufig (ohne weiteres Zutun der leitenden Pädagogen) wie eine Art "Gleichmacher".

 

Kinder, die sich selbst als "stark und mutig" einschätzen, spüren hier möglicherweise ihre persönliche Grenze und können an dieser Erfahrung wachsen. Andere Kinder hingegen, die sich selbst wenig zutrauen, entdecken innerhalb des Settings dass auch "die Starken" einmal der Mut verlässt oder diese an einer Aufgabe zunächst scheitern.

 

Häufig ergibt sich innerhalb der Einheit auch eine Aufgabenstellung, bei der die vermeintlich "schwächeren" erfolgreicher sind, als die selbstbewussteren oder vermeintlich "fitteren" Kinder. So kann es schnell dazu kommen, dass ein "schwächerer" Teilnehmer dem "stärkeren" mit Tipps oder Handreichungen hilft. Daraus ergibt sich innerhalb der Gruppe eine Dynamik, die jedem Einzelnen neue Selbsterfahrungen und - einschätzungen ermöglichen.

 

Natürlich kommt auch die Förderung des Gleichgewichtes, des Köpergefühls und der sensorischen Integration beim Voltigieren stark zum Tragen. Die Aufgaben erfordern Kraft und Geschick und werden im heilpädagogischen Setting Stück für Stück erarbeitet, so dass keine Überforderung entsteht. Das laufende Pferd fordert von seinem Reiter eine ständige Anpassung an dessen Bewegungsablauf und fördert so die Stärkung des Muskeltonus. Ebenso muss der Reiter beständig seine Balance wahren, um nicht vom Rücken des Pferdes zu rutschen. Dies ist besonders bei den Voltigieraufgaben notwendig. Diese Aufgaben können in einzelne Teilschritte unterteilt werden, so dass der einzelne nicht überfordert wird. So kann auch hier beim heilpädagogischen Voltigieren der Anspruch an das einzelne Kind individuell gestaltet werden.

 

Nicht zuletzt macht der Umgang mit dem Pferd und der Austausch in der Gruppe Spaß und bietet einen Rahmen, in welchem auch therapiemüde Kinder gefördert werden können, ohne dass diese die Förderung als solche erleben. Da all die gestellten Herausforderungen mit dem Erlebnis auf einem großen und starken Pferd zu sitzen einher gehen, sind viele Kinder stärker motiviert ihre Fähigkeiten einzusetzen und auszuloten als im "normalen" Alltag.

 

Abschließend lässt sich sagen, dass wir uns all diese Effekte beim heilpädagogischen Voltigieren zunutze machen um unsere Klienten zu fördern. So entsteht ein Förderkonzept, bei dem sowohl der Bereich der Koordination, Körperwahrnehmung und sensorischen Integration, als auch der Teamfähigkeit und der sozial-emotionalen Wahrnehmung und Verarbeitung abgedeckt wird.